Dienstag, 9. Oktober 2012

Chris P. Rolls

Hallo,

ich begrüße euch alle zu unserem nächsten Interview. Die Autorin Chris P. Rolls gibt sich heute die Ehre und wird uns einen kleinen Einblick in ihren Kopf und ihre Welt gewähren.
Vielen Dank an dieser Stelle an dich liebe Chris und ich hoffe, die Leser haben genauso viel Freude an dem Interview, wie ich sie hatte.

Fangen wir doch einfach mal an…


1.Du schreibst ja vorwiegend Geschichten in denen die Liebe zwischen zwei Männern im Vordergrund steht und dieses Genre erfreut sich wachsender Beliebtheit. Ich bin mir aber sicher, dass sich unter uns auch eine Menge Slash-Jungfrauen befinden, die sich bisher ein wenig gescheut haben eine solche Romanze zu lesen. Kannst du uns in zwei, drei kurzen Sätzen, diese Scheu nehmen?

Liebe ist universell. Ob es zwischen Frau und Mann, Frau und Frau oder eben Mann und Mann funkt - es sind die gleichen Gefühle. Allerdings ist es für mich als Autorin einfach mehr Herausforderung, mich zwei Männern gefühlsmäßig anzunähern und es gibt wesentlich mehr Variationen der Story drumherum. Heteroliebe ist ein ziemlich breit gewalztes Thema, ich finde Homoliebe und -erotik wesentlich interessanter, weil es dazu noch keine Millionen Bücher gibt. Und: eindeutig sind zwei Männer heißer als einer.


2.Ich habe festgestellt, dass unglaublich viele Frauen unter den Autoren vertreten sind, die Gay-Romanzen und Dramas schreiben. Ist der Anteil der weiblichen Autorinnen tatsächlich so hoch und wenn ja, woran mag das liegen?

Nicht nur der Anteil an Autorinnen ist hoch, auch ist der überwiegende Teil der Leser ist weiblich. Als Autor liegt es vermutlich daran, dass Frauen allgemein besser Gefühle beschreiben können und gesteigerten Wert darauf legen. Warum schauen die meisten Männer gerne einen Porno an, Frauen hingegen lieber einen Liebesfilm? Ähnlich ist es in der Literatur. Reine Sexgeschichten, sogenannte PWPs (Porn without Plot) werden hauptsächlich von Männern geschrieben, Liebesgeschichten und eben Homoerotik überwiegend von Frauen. Männer lesen evt. lieber Femslash, also Homoerotik zwischen Frauen, Frauen eben Maleslash mit zwei Männern.

Im Bereich der Mangas, die viele Jugendliche gerne lesen, überwiegt ebenfalls der Anteil Boylove und die Leser sind überwiegend Mädchen. Das zieht sich also durch die Generationen. Ich glaube auch, dass hier noch ein großer Markt am Entstehen ist, eben weil es etwas Neues ist.

Ich mag es, mich in einen Charakter hineinzufinden, der ich real nie sein könnte.



3.Du bewegst dich zielsicher durch verschiedene Settings. Ob Historie oder Fantasy oder der ganz normale realitätsbezogene Wahnsinn, nichts scheint dich aufhalten zu können. Hast du ein Faible für einen bestimmten Rahmen, in dem dein Plot zum Leben erwacht, oder ist es dir egal, in welcher Zeit und in welcher Umgebung deine Geschichten spielen?

Ich bevorzuge eindeutig Fantasy. Die meisten meiner Storys auf der Festplatte, die noch auf ihre Vollendung warten, sind Fantasy. Tatsächlich habe ich erst vor etwa zwei Jahren mit Romanzen in realem Setting begonnen und die Resonanz hat mich ziemlich überrascht.
Bei Fantasy liebe ich die unendlichen Möglichkeiten: Ich erschaffe eine komplett neue Welt mit eigenen Gesetzen, Geschichte, Kulturen, Moralvorstellungen, Geographie, Göttern, Maßeinheiten oder Zeitsystem. Das kommt meiner übersprudelnden Fantasie am meisten entgegen.
Ich liebe auch historische Settings, weil sie mit Recherche verbunden sind und ich dabei viel über die jeweilige Zeit lernen kann. Auch eine Art fremde Welt, in die ich mich als Autor einfinden muss. Solche Herausforderungen mag ich.
Bei den realen Storys reizt mich besonders das Zwischenmenschliche und hier neue Aspekte, neue Ideen einzubringen, ggf. auch mal ein Klischee zu sprengen. Und die stehen bei mir gerne unter dem Punkt: erwarte das Unerwartete. Bei diesen Geschichten liegt der Schwerpunkt aber zwangsläufig mehr auf der Beziehung, denn die „Welt“ drumherum ist uns allen hinreichend bekannt, somit weniger Aufwand für mich als Autor. 




4. Du schreibst ja wie viele Autoren unter einem Pseudonym. Manche haben sogar mehrere, um die Genres zu trennen. Wird in absehbarer Zukunft noch eine weitere Persönlichkeit das Licht der Welt erblicken, die dich dann durch dein schriftstellerisches Leben begleitet, oder bleibst du vorerst nur Chris?

Eine gute Frage, die ich mir auch schon gestellt habe. Das Pseudonym Chris P. Rolls wird für den homoerotischen Bereich in jedem Fall bleiben. Sollte ich für einen anderen Bereich, z.b. Jugendbücher, schreiben, nutze ich evt. ein anderes. Wobei ich kein großes Geheimnis aus meiner Schreiberei mache. Zu viele Pseudonyme verwirren nur. 


5. Kritik. Jeder von uns kennt sie, manche schätzen sie, andere gehen ihr aus dem Weg und stecken den Kopf in den Sand, bis sie ungehört verhallt. Was ist deiner Meinung nach der richtige Weg, um mit Kritik umzugehen und sie auch richtig umzusetzen?

Lesen, sacken lassen, überlegen, wo ein Körnchen Wahrheit drin steckt und entweder annehmen oder verwerfen. Kritik, die sachlich und höflich formuliert wird, kann man sich immer gerne zu Herzen nehmen. Solche, die geschrieben werden, damit der Schreiber sich selbst aufwertet oder die Gelegenheit nutzt, im scheinbar anonymen Internet verborgen, verbale Schläge auszuteilen, zeugen meist von wenig Geschick. Wer mit Worten umgehen kann, kann dies auch höflich und sachlich tun. Natürlich ärgert man sich darüber, aber ernst nehmen darf man so etwas nicht. Lesen, schlucken, lachen und weitermachen kann ich da nur jedem raten.


6.Es gibt ja diese sogenannten Druckkostenzuschussverlage, die vertrauensvollen Jungautoren Hoffnungen machen, unausgereifte Manuskripte drucken und ihnen das Blaue vom Himmel herunterlügen, solange nur genügend Bares fließt. Bist du solchen schwarzen Schafen auf deiner Suche nach einem Verlag ebenfalls begegnet?

Ich hatte enormes Glück, direkt von einem seriösen Verlag angesprochen zu werden. Im Zuge der Veröffentlichung hatte ich mich daraufhin gründlich im Internet informiert, wo ich rasch auf diese DKZV stieß. Ich würde niemals bei einem solchen Verlag veröffentlichen und kann jedem nur davon abraten. Oft sind die Kosten auch versteckt und man muss genau hinsehen, wenn z.b. eine bestimmte Anzahl an Büchern abgenommen werden muss. Wann immer man dafür zahlen muss, dass sein Buch gedruckt wird, in welcher Weise auch immer, Finger weg. 


7. Dann eine Frage, die wohl viele interessieren wird. Wird es nach dem ersten veröffentlichen Buch leichter, sein neues Manuskript unterzubringen, oder bleibt es ein harter Weg?

Für mich war es leichter und ich glaube, man gewinnt mit jeder Veröffentlichung an Selbstbewusstsein. Wer anfängt, sollte schauen, ob er in Anthologien erscheinen kann, das ist ein guter Start. Ein kompletter Roman ist weitaus schwieriger zu schreiben und unterzubringen. Mir hat das Schreiben auf öffentlichen Plattformen sehr geholfen, weil es dort gute und oft auch sachliche, kritische Rückmeldungen gab. 


8.Viele Autoren werden mittlerweile von Literaturagenten vertreten. In Amerika ist das eine schon längst gängige Praxis und auch in Deutschland wird dieses Modell der Autorenbetreuung immer häufiger genutzt. Wirst du auch von einer Agentur vertreten, oder kommt das für dich nicht in Frage?

Bislang nicht und ob es irgendwann infrage kommt, kann ich noch nicht sagen. Für mich ist Schreiben kein Hauptberuf und in dem Genrebereich ist die Wahrscheinlichkeit, Bestseller zu schreiben eher gering. Mit zunehmendem Erfolg mag das anders aussehen, aber da sehe ich mich persönlich noch sehr lange nicht. 


9. Welchen Ratschlag kannst du einem angehenden Autor mit auf den Weg geben, wenn er versuchen will, sein Manuskript unter die Leute zu bringen?

Lernen, lernen, lernen und schreiben. Man wird mit jeder Geschichte besser. Mir hat das öffentliche Schreiben viel geholfen und ich kann es jedem nur empfehlen, auch, um sich eine Basis an Lesern aufzubauen. Es ist unglaublich motivierend, Rückmeldungen zu bekommen und zu sehen wie eine Story wächst. Der Stil muss entstehen, man muss sicher werden und dazu hilft einfach viel schreiben und sich auch an Neues heranwagen. Austausch mit anderen Autoren ist unglaublich hilfreich, da hilft z.b. Facebook sehr.

10.Und auch für dich die Frage: Mit welcher Person aus dem aktuellen Zeitgeschehen würdest du gerne einen Nachmittag verbringen?
  
Schwierige Frage, aber das reizvollste wäre vermutlich Peter Jackson. Ich glaube, wir könnten stundenlang wunderbar Ideen zu Fantasystorys und -filmen spinnen.


Liebe Chris, ich danke dir für dieses wunderbare Interview. Möge dir deine Muse immer gewogen bleiben und deinen Lesern noch viele Bücher von dir bescheren.

Herzlichst, dein Lesewelt-Team

Link zum Facebook-Interview: Chris P. Rolls

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